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Montag, 24. Mai 2010

Realoptionsanalyse – Bewertung betrieblicher Vorhaben mit Handlungsoptionen in der Zukunft (Flexibilität)

Im letzten Post habe ich gezeigt, dass der finanzielle Wert eines Investitionsvorhabens und die Beurteilung verschiedener Realisierungsvarianten maßgeblich davon mitbestimmt sind, welche künftigen Handlungsoptionen das Vorhaben bzw. die jeweilige Realisierungsvariante dem Unternehmen eröffnet

Konventionelle Analyseverfahren vernachlässigen den Wert von Handlungsoptionen und sind deshalb eine ungenügende Entscheidungsgrundlage für Investitionen in betriebliche Vorhaben, in denen Flexibilität einen hohen Stellenwert hat.

Handlungsoptionen können allenfalls als eigenständige Szenarien – also unter der Annahme einer getroffenen Entscheidung für eine bestimmte Option, d.h. unter Festlegung für eine Zukunft – berücksichtigt werden. Die Wahrscheinlichkeit des Wahrnehmens der Option, der Wert der Wahlfreiheit, d.h. der FLEXIBILITÄT, wird dadurch nicht erkennbar.

Mit der Realoptionsanalyse kann der finanzielle Wert eines betrieblichen Vorhabens mit Unsicherheiten und künftigen Handlungsoptionen ermittelt werden.

Die Realoptionsanalyse berechnet den Gegenwartswert der künftigen Cashflows inklusive dem Wert aller künftigen Handlungsoptionen. Sie zeigt außerdem auf, wann in der Zukunft unter welchen Bedingungen welche Handlungsoptionen wahrgenommen werden.

Anhang Folien 1-6

Das sei an einem einfachen Excel-Beispiel verdeutlicht.

Achtung: Ich möchte an dieser Stelle das Thema nicht zusätzlich durch die Erläuterung einer Binominalverteilung, die up- und down-Faktoren und die up- und down-Wahrscheinlichkeiten verkomplizieren. Daher ist die nachfolgende Darstellung KEINE korrekte Binominalverteilung sondern eine plakative Annäherung. Das Entscheidende für dieses Beispiel ist aber nicht die Korrektheit der Knotenwerte sondern das Prinzip.

Angaben:
Kauf einer Anlage um 15,0 Mio. Erzeugung von Produkten mit einem Erlös von 13,0 Mio p.a. mit laufenden Kosten (= Ausgaben) von 8,5 Mio p.a. Laufzeit 5 Jahre. PV der Cashflows = 18,96 Mio -> NPV des Projektes daher 3,96 Mio.
Die Erlöse sind unsicher. Sie wissen, dass Sie im dritten und im vierten Jahr aussteigen können. Kosten des Ausstieges im dritten Jahr 112 tsd., im vierten 119 tsd.

Variante 1:
Schwankungsbreite der Erlöse um 10% p.a.


Sie werden die Option nie ziehen, weil zu jedem Zeitpunkt die PV's der zukünftigen Deckungsbeiträge besser sind. Daher hat die Option keinen Wert.

Variante 2:
Schwankungsbreite der Erlöse um 40% p.a. Sie werden die Option in drei Fällen ziehen, weil das günstiger ist als der PV der zukünftigen negativen Deckungsbeiträge.

In diesem Fall die gesamte Deckungsbeitrag und somit auch die der Net Present Values mit Option eine anderer als ohne Option.
Die Differenz zwischen den beiden (NPV mit und NPV ohne) ist der Optionswert.


Anhang 1-6