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Dienstag, 26. Oktober 2010

Realoptionen müssen abgenabelt werden

Eine wesentliche Ursache für das weitgehende Fehlen praxistauglicher Methoden zur Bewertung von Realoptionen ist der Rückgriff auf Modelle der Finanzmathematik.
Solange dies geschieht, können die Methoden den Anforderungen an Praxistauglichkeit nicht gerecht werden.

Finanzoptionen haben andere Grundlagen als Realoptionen:

1.)  Das Wesen der Option 
Finanzoptionen beziehen sich auf den Kauf oder Verkauf des Underlyings - sie sind also nur ein Recht in bestimmter Weise über das Underlying zu verfügen.
Das Underlying selbst produziert eine zukünftige Cashflow-Verteilung.

Die Ausübung einer Realoption setzt zwar die Existenz des Underlyings voraus - es ist quasi das „Sprungbrett“ der Realoption - die Option ist aber eine eigenständige ökonomische Realität.
Das Underlying ist komplex und kann aus mehreren mit einander verknüpften Cashflows mit unterschiedlichen Volatilitäten bestehen (derived Cashflow).

2.) Die Bewertung 
Bei der Bewertung der Finanzoptionen in der Black Scholes Welt wird eine Option durch ein Portfolio mit Aktien und Cash (Anleihen) dynamisch replizieren. Mit der  Einführung eines risikoneutralen Wahrscheinlichkeitsmaßes (eine „Umgewichtung“ möglicher Ausgänge) wird aus dem Markt ein „faires Spiel“ und der Optionspreis kann als mit dem risikolosen Zinssatz diskontierter Erwartungswert der Payoffs gerechnet werden.

In der Welt der Realoptionen existieren die für das obige Bewertungsverfahren notwendigen Annahmen (beliebige Teilbarkeit der Projekte und Optionen, Replikation der Option usw...) und Voraussetzungen (der Wert des Underlyings zum Zeitpunkt t0 ist bekannt) nicht und sind auch nicht notwendig.

Eine Realoption ist eine Handlungsmöglichkeit zur Veränderungen des ursprünglichen Projektes (zur Veränderung der zukünftigen Cashflows) die zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr oder weniger Sinn macht.
Die zukünftigen Cashflows des Basisprojektes mit einem risikoadäquaten Zinssatz diskontiert ergeben den Wert dieses Projektes zum Zeitpunkt t0.  Die mit der Optionsausübung verbundenen Änderungen der Cashflows sind ebenso für jeden Zeitpunkt modellierbar (d.h. die Payoffs sind bekannt und müssen nicht durch Replikation ermittelt werden) und unterliegen in der Rückrechnung der gleichen Risikobetrachtung (können mit dem gleichen Zinssatz diskontiert werden) wie das Basisprojekt (das Underlying)

3.) Die wirkliche Herausforderungen
In der Finanzwelt ist die große Herausforderung die Modellierung der Bewegung des Underlyings. Die Wirkung der Option ist eindimensional und simpel (Kauf oder Verkauf).

Bei den Realoptionen ist die Veränderung der einzelnen Cashflows (die Unsicherheit der zukünftigen Cashflows der Basisinvestition) einfacher zu definieren. Die Komplexität ergibt sich aus der Verknüfung vieler Cashflows zu einem Underlying.

In der realen Welt schafft jede Option neue Cashflows die ihrerseits wieder die Basis für weitere Optionen bilden können. D.h. die Herausforderung ist die Vielzahl von zum Teil miteinander verknüpften Handlungsmöglichkeiten.

Das einzige mir bekannte Modell, dass dieses Modellierung in einer einfachen und übersichtlichen Form kann ist Opexar (www.opexar.com).