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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Risikoadäquate Instandhaltung

Im Zuge eines Projektes zur „Lieferantenauswahl für Ersatzteile bei unterschiedlichen Qualitätsrisiken“ hat sich ein zweites, ebenfalls spannendes Thema aufgetan: „Risikoorientierte Optimierung der vorbeugenden Instandhaltung“.

Vorbeugende Instandhaltung basiert immer auf einer „Sterberate“ der Bauteile. Diese Verteilung (Beispiel siehe Abb. 1) ist in den meisten Fällen eine intuitive und die Zyklen des Bauteiltausches sowie die Menge der getauschten Teile stellen auf höchst mögliche Ausfallsicherheit = Anlagenverfügbarkeit ab.


Wirtschaftlich betrachtet werden dabei die Kosten eines möglichen Ausfalls den Kosten für die Instandhaltung gegenüber gestellt.

Ist dieses Faktum ins Bewusstsein gerückt, so führt dies zu der Frage: Bei welchem durchschnittlichen Lebensalter der  Bauteile und bei welchen Instandhaltungszyklen (14 Tage, drei Wochen….) ist die Differenz zwischen der Reduktion der Instandhaltungskosten und dem Ansteigen des Risikos maximal.

Dabei gibt es zwei Wege der Optimierung:
  • Ausdehnung der Zyklen bei gleicher Tauschmenge und damit Ausdehnung des Lebensalters
  • Ausdehnung der Zyklen und Erhöhung der Tauschmenge, sodass das Lebensalter der Teile gleich bleibt
Diese Optimierung ist herausfordernd,  zumal in vielen Fällen die Datenlage nur eine schrittweise Annäherung an die wirkliche Risikoverteilung zulässt.

Hinzu kommt als wichtiger Aspekt die widersprüchliche Wirkung von vorbeugender Instandhaltung auf die Verfügbarkeit. Einerseits senkt sie das Ausfallrisiko und verbessert damit die Anlagenverfügbarkeit, andererseits wird (meist) für die Instandhaltung die Anlage abgestellt und das bedeutet eine Reduktion der Verfügbarkeit. Jede Verringerung der Instandhaltungszyklen impliziert somit für sich alleine gesehen eine Erhöhung der Kapazität.

Der  Vergleich von Kosten und Nutzen einer Änderung der Instandhaltung stellt gegenüber:
  • Kosten = Ausschuss (jener Teil der zum Zeitpunkt des Ausfalls in der Anlage war) plus prop. Personalkosten während des Stillstandes plus Kosten der Instandhaltung plus entgangener Deckungsbeitrag während der Stillstandszeit
  • Nutze = Reduktion der Instandhaltungskosten (incl. Teile und deren Bevorratung) plus zusätzlicher Deckungsbeitrag aus der Mehrkapazität durch die weggefallene Abstellungen
Es ist offensichtlich, dass sowohl der zusätzlichen DB aus der gewonnen Kapazität als auch der entgangenen während des Ausfalls von der Marktsituation abhängen. Die Einbeziehung der Volatilität des Marktes hat daher Voraussetzung für eine korrekte Beurteilung. Nur so lässt sich der Zusatznutzen reduzierter Instandhaltung sauber ermitteln.

Das Unternehmen kann Chancen und Risiken abwägen und eine Entscheidung treffen. Diese Entscheidung ist aber mehr als das bloße Vergleichen der beiden Werte. Angenommen der Kapitalwert  der zusätzlichen DBs über eine Laufzeit von 4 Jahren ist 1 Mio Euro und der des Risikos aus möglichen Ausfällen ist 200 tsd. Euro, so ist die Entscheidung  „mathematisch“ klar. Wenn aber hinter dem Risiko einmalige Ausfallkosten von 20 Mio mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% stehen, so wird - aufgrund der möglichen Existenzgefährdung im Falle des Eintritts - das Unternehmen das Risiko nicht eingehen.

Allerdings - und das ist ein wichtiger Aspekt der nunmehr möglichen Bewertung von Chancen und Risiken aus der Marktvolatilität - kann daraus ein neues Geschäftsmodell entstehen. Wenn eine „Versicherungsgesellschaft“ das Risiko für viele Unternehmen übernimmt und damit ein Ausgleich geschaffen wird, kann sich das für alle Beteiligten lohnen.